Welche Versicherungen wirklich nötig sind – und welche Sie sich sparen können
Drei Policen schützen vor dem finanziellen Ruin, viele weitere kosten nur Geld. Wir sortieren die Angebote in Pflicht, sinnvoll und verzichtbar.
Der Versicherungsmarkt in Deutschland ist unübersichtlich. Rund 400 Millionen Verträge halten die Haushalte hierzulande – im Schnitt sechs bis sieben pro Person. Vieles davon ist überflüssig. Die entscheidende Frage lautet nicht „Was kann alles passieren?”, sondern „Welcher Schaden würde mich finanziell umwerfen?”. Nur gegen genau diese existenzbedrohenden Risiken lohnt sich eine Versicherung. Alles andere lässt sich meist besser aus einem Notgroschen bezahlen.
Die Faustregel: Existenzbedrohend zuerst
Versicherungen sind kein Sparprodukt und kein Bonusprogramm. Sie sind ein Tausch: Sie zahlen einen kleinen, kalkulierbaren Betrag, damit ein seltenes, aber ruinöses Risiko nicht Sie allein trifft. Deshalb gilt: Ein 80-Euro-Schaden am Fahrrad muss nicht versichert werden – ein Millionenschaden, den Sie einem anderen Menschen zufügen, dagegen unbedingt.
Sortieren Sie Ihre Verträge nach dieser einen Frage. Was übrig bleibt, sind die wenigen Policen, die wirklich zählen.
Die drei Unverzichtbaren
- Privathaftpflicht: Wer fahrlässig einen Menschen schwer verletzt, haftet mit dem gesamten Vermögen und künftigen Einkommen – unbegrenzt. Sechsstellige, bei Personenschäden sogar millionenschwere Forderungen sind realistisch. Die Police kostet je nach Anbieter 40 bis 80 Euro im Jahr und gehört damit zum wichtigsten Schutz überhaupt. Deckungssumme: mindestens 10 Millionen Euro.
- Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Rund jeder Vierte scheidet vor dem regulären Rentenalter krankheitsbedingt aus dem Beruf aus – häufig wegen psychischer Erkrankungen oder Rückenleiden. Fällt Ihr Einkommen weg, springt die BU mit einer monatlichen Rente ein. Für Berufseinsteiger ist sie besonders wichtig, weil die gesetzliche Erwerbsminderungsrente meist unter 1.000 Euro liegt.
- Krankenversicherung: In Deutschland ohnehin Pflicht. Gesetzlich Versicherte sollten prüfen, ob eine private Zusatzversicherung für Zahnersatz oder Klinikaufenthalt sinnvoll ist – der Basisschutz aber steht.
Sinnvoll, je nach Lebenslage
Diese Policen sind nicht für jeden Pflicht, können im Einzelfall aber wichtig sein:
- Risikolebensversicherung für alle, die Angehörige oder einen gemeinsamen Kredit absichern müssen – etwa bei Kindern oder einer Immobilie. Eine Versicherungssumme vom Drei- bis Fünffachen des Jahreseinkommens ist ein guter Richtwert.
- Hausratversicherung, wenn der Wiederbeschaffungswert Ihrer Einrichtung Ihre Rücklagen übersteigt. Typische Deckungssumme: 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.
- Wohngebäudeversicherung für Eigentümer – hier ist der Schaden am Haus schnell existenzbedrohend.
- Kfz-Haftpflicht ist für Fahrzeughalter ohnehin gesetzlich vorgeschrieben.
- Auslandsreisekrankenversicherung: für wenige Euro im Jahr sinnvoll, weil die gesetzliche Kasse außerhalb der EU praktisch nicht zahlt und Rücktransporte fünfstellig werden können.
Meist verzichtbar
Viele populäre Policen decken Risiken ab, die entweder klein sind oder sich schlicht nicht lohnen:
- Handyversicherung, Brillenversicherung, Reisegepäckversicherung – kleine Schäden, hohe relative Kosten. Aus dem Notgroschen bezahlbar.
- Sterbegeldversicherung – rechnet sich oft nicht; besser gezielt sparen.
- Kapitallebensversicherung als Geldanlage – vermischt Schutz und Sparen zu Lasten der Rendite.
- Insassenunfallversicherung – überflüssig, weil die Kfz-Haftpflicht Insassen bereits absichert.
- Glasversicherung als teurer Zusatz, wenn nicht großflächig verglast wird.
So gehen Sie vor
Nehmen Sie sich einen Nachmittag Zeit und listen Sie alle laufenden Verträge mit Jahresbeitrag auf. Ordnen Sie jeden nach der Existenzfrage ein. Erfahrungsgemäß lassen sich so schnell 200 bis 400 Euro im Jahr einsparen, ohne dass eine echte Lücke entsteht. Das gesparte Geld wandert am besten auf ein Tagesgeldkonto als Notgroschen – idealerweise drei bis sechs Netto-Monatsgehälter. Genau dieser Puffer macht die vielen kleinen Versicherungen erst überflüssig.
Wer die drei großen Risiken abdeckt und den Rest kritisch prüft, ist besser aufgestellt als die meisten – und zahlt dabei deutlich weniger.